Eine gärtnerische Weltreise

Die Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn

_von Christiane Kirbach_

Mit Marzahn, dem Stadtteil ganz im Osten Berlins, verbinden die meisten zuerst graue Plattenbau-Tristesse. Doch mit den Gärten der Welt hat der Bezirk eine grüne Oase, die über seine Grenzen hinaus Erholungssuchende und Gartenbau-Enthusiasten anlockt.

Schon zu DDR-Zeiten war der Erholungspark Marzahn eines der beliebtesten Naherholungsgebiete Berlins. Er feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen, 1987 öffnete auf diesem Gelände erstmals die „Berliner Gartenschau“ zum 750. Jubiläum der Stadt Berlin ihre Tore. Heute sind die Gärten der Welt – ein beeindruckendes Ensemble exotischer Gartenbaukunst – die größte Attraktion.

Ereignisse 6 1

Der Koreanische Garten: Pavillon am Fluss.

Im Herbst 2000 wurde mit dem Chinesischen Garten der Anfang gemacht. Er ist mit einer Größe von 2,7 Hektar der größte seiner Art in Europa. Sämtliche Materialien stammen aus China, alle Arbeiten wurden von chinesischen Facharbeitern ausgeführt. Das Zentrum des weitläufigen, leicht hügeligen Gartens bildet ein See, über dessen Ausläufer Brücken führen und an dessen Ufern Pavillons stehen. Im Teehaus können Besucher nicht nur aus über 30 verschiedenen Sorten Grünen Tees wählen, sondern auch an „Teekunst-Vorführungen“ teilnehmen: Der Besucher erfährt viel über die Herkunft, Bedeutung und über die lange und komplizierte Zubereitungszeremonie des Getränks in China – und darf natürlich immer wieder probieren. Der poetische Name des Chinesischen Gartens – „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ – steht für die Wiedervereinigung der über Jahrzehnte geteilten Stadt Berlin.

Der japanische Trockengarten.

Mittlerweile sind mit dem Japanischen, dem Orientalischen, dem Koreanischen und dem Balinesischen Garten vier weitere Anlagen dazugekommen. Der Balinesische „Garten der drei Harmonien“ ist gleich ein paar Schritte neben dem Eingang in einem Gewächshaus untergebracht und lediglich für tropentaugliche Besucher geeignet. Die Baumfarne, die farbenfrohen Orchideen und der Jasmin gedeihen nur bei 30 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Pflanzen sollen den dichten Urwald simulieren, der sich in Bali üblicherweise direkt an die Wohnanlagen anschließt. Auch im Marzahner Erholungspark wurde ein balinesischer Wohnkomplex mit seinen typischen Tempeln und Schreinen nachgebaut. Wieder an der frischen Luft kann man den jüngsten Garten, den im April 2006 eröffneten Koreanischen Garten, besuchen. Man trifft hier auf seinem Weg durch die Felslandschaft und den typisch koreanischen Pavillon mit seinen vier Höfen immer wieder auf grinsende Geisterfiguren und Totempfähle, die auf das schamanische Weltbild Koreas zurückgehen.

Wasserspiele und Blütenpracht im Orientalischen Garten

Von Korea geht es weiter nach Japan: Jeder Besucher, der den „Garten des zusammenfließenden Wassers“ betritt, geht automatisch langsamer. Der Gartendesigner Shunmyo Masuno, der außerdem Zen-Priester ist, hat einen Ort der Ruhe und der Kontemplation geschaffen. Er hat auf engstem Raum eine hügelige fernöstliche Landschaft angelegt, durch die ein gewundener Pfad auf einen Trockengarten zuführt. Akkurat in Wellenform geharkter Kies stellt ein steinernes Meer dar.

Von außen wirkt die letzte Station der gärtnerischen Weltreise abweisend wie ein Wüstenfort. Doch hinter den hohen Mauern ist ein orientalischer Gartenhof – ein Riyad – verborgen, der die Gartenbautraditionen verschiedener arabischer Länder vereinigt und in dem ein Überfluss an Farben, Formen und Düften regiert. Hier gibt es einen Quellbrunnen und Wasserspiele genauso wie von Pflanzen überquellende Beete, farbenfrohe Mosaike und schattenspendende Arkaden.

Pünktlich im Jahr des 20-jährigen Bestehens soll mit dem Englischen Labyrinth-Garten ein neuer Garten eröffnet werden. Als Vorbild diente der Irrgarten von Schloss Hampton Court bei London. Außerdem befinden sich noch ein Französisches Labyrinth und ein Italienischer Renaissance-Garten im Bau. Bald wird es also in den Marzahner Gärten der Welt neben den exotischen Anlagen auch europäische Gartenbaukunst zu bewundern geben.


Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn
Eisenacher Straße 99
12685 Berlin
Tel.: 49 30 700906699
E-Mail: info@gaerten-der-welt.de
www.gaerten-der-welt.de
Die Autorin studiert Politikwissenschaft an der Universität Potsdam und absolvierte ein Praktikum in der Redaktion von _aktuell_ .