Das Mittelalter ist unter uns
Heute ist es eine viel befahrene Verkehrsader: Grunerstraße, Mühlendamm, Gertraudenstraße. Lassen Sie sich in eine Zeit entführen, als dort keine Autos fuhren. Kreuzten da nicht Ritter die Wege, waren da nicht Hexen am Werk? Das 13. Jahrhundert – die Zeit, als Berlin entstand. Jüngste Ausgrabungen haben spektakuläre Funde ans Tageslicht gebracht.
Acht Ausstellungstürme entlang der heute viel befahrenen Verkehrsader Grunerstraße – Mühlendamm - Gertraudenstraße informieren über diese und weitere wichtige Orte der Doppelstadt Berlin-Cölln. Sie weisen zwischen Petriplatz und Klosterruine den Weg auf einer archäologischen Zeitreise und räumen en passant mit manchem Vorurteil über das vermeintlich finstere Mittelalter auf. Ergänzend erzählen 500 kurze Bodentexte Wissenswertes und Kurioses aus Alltag und Politik, Wirtschaft und religiösem Leben der mittelalterlichen Stadt. Regelmäßige
kostenlose Führungen (donnerstags, 17 Uhr und sonntags, 11 Uhr) und spezielle
Grabungsführungen mit Archäologen sollen spektakuläre Ausgrabungen wie am Petriplatz und am Großen Jüdenhof, aber auch Touristenmagnete wie die Marienkirche oder das Nikolaiviertel einem breiten Publikum als bedeutsame Stadtgründungsorte erschließen.
Die Führungen können am
zentralen Infopoint vor der Marienkirche gebucht werden und starten auch dort. Hier erhalten Sie auch weitere Informationen rund ums Stadtjubiläum, alle Flyer und Broschüren sowie Produkte rund um Berlin.
Zum 775. Geburtstag wird das mittelalterliche Berlin auf ganz ungewöhnliche Weise in die Gegenwart geholt. So erfährt der Besucher z.B., warum der Touristenmagnet Marienkirche schräg zur angrenzenden Karl-Liebknecht-Straße und fast zwei Meter unter dem heutigen Bodenniveau liegt und warum die eigentliche Wiege Berlins an der Mühlendammbrücke schaukelt. Gleichzeitig werden Areale belebt, die am Rande großer, stark befahrener Magistralen ein unbeachtetes Schattendasein führen, wie z.B. der Petriplatz, wo im vergangenen Jahr die Fundamente einer romanischen Kirche und einer Lateinschule entdeckt wurden.
In den letzten Jahren gab es zahlreiche spektakuläre Ausgrabungen in der historischen Mitte Berlins, u.a. beim U-Bahn-Bau vor dem Roten Rathaus. Fundamente, Keller, Brunnen, Reste von Häusern und Alltagsgerät der ersten Siedler, auch ihre Gräber wurden gefunden. Es ist die unterste Schicht der frühen Stadt, die hier zutage kommt, oft nur schwärzliche Spuren vermoderten Holzes. Doch dank moderner Untersuchungsmethoden geben sie Aufschluss über Lebensgewohnheiten, Größe der Stadt, Zeitpunkt der Besiedelung und vieles mehr. In diesem Herbst werden für kurze Zeit einige dieser Orte sichtbar gemacht, bevor sie wieder unter neuen Straßen, Plätzen und Bauten verschwinden.
Die Open-Air-Ausstellung und die Stadtmarkierung fügen das Puzzle aus Grabungsergebnissen, historischen Quellen und erhaltenen Zeugnissen zu einem möglichst vollständigen und lebendigen Bild der Doppelstadt im Mittelalter zusammen. Ein umfangreiches Führungs- und Veranstaltungsprogramm rückt die romanischen und gotischen Baudenkmäler in den Fokus und macht mit mittelalterlichem Handwerk, Kunst und Musik vertraut. Es wird deutlich, wie fremd und gleichzeitig auch nah uns das Mittelalter ist. Denn Berlin ist auch heute wieder eine Stadt der Gründer, die auf vielfältige Weise gefördert werden, und wieder einmal wird geplant, wie die Stadtmitte künftig aussehen soll.