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23.06. - 22.08.2012 / Ausstellung

Hochzeit! Liebes- und Trennungsgeschichten aus 250 Jahren Familie Mendelssohn

Toravorhang
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Eine Ausstellung der Mendelssohn‐Gesellschaft e.V., des Jüdischen Museums Berlin und der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum

Es war Krieg, die Wirtschaft lag am Boden, zum Optimismus gab es wenig Grund: Den widrigen Umständen zum Trotz heirateten vor 250 Jahren, am 22. Juni 1762, ein Berliner Migrant ohne Bürgerrechte und eine Hamburger Kaufmannstochter, für die er auf langen Antragswegen eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten hatte. Diese ungewöhnliche Hochzeit gab der zentralen Ausstellung zum Themenjahr »250 Jahre Familie Mendelssohn« den Titel: »Hochzeit! Liebes- & Trennungswege aus 250 Jahren Familie Mendelssohn«.

Moses Mendelssohn, ein stotternder, buckliger, charmanter Seidenkaufmann und Philosoph, traute sich mit Fromet Gugenheim. Aus der Liebesheirat entstand an der Spandauer Straße 68, in der Nähe des Berliner Rathauses, ein offenes Haus, in der Wissenschaftler, Gläubige, Freunde unterschiedlicher Milieus und Überzeugungen zum Dialog zusammentrafen: das Haus der Berliner Aufklärung. Mendelssohn wurde zum Kulturvermittler, Emanzipationspionier und Modernisierungsberater für seine Glaubensgenossen wie für preußische Behörden.

Aus der Ehe des jüdischen Paares gingen sechs Kinder hervor, deren Nachkommen als Bankiers, Künstler und Gelehrte die deutsch-jüdische Geschichte über fünf Generationen prägten. In den jüdischen und christlichen Vermählungen der Mendelssohns spiegeln sich ihre Aufbrüche, ihre Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft, ihre konfessionellen Zerreißproben, ihr gesellschaftlicher Aufstieg und ihre Gefährdung durch die Rassenpolitik des »Dritten Reiches«.

Seltene Ausstellungsstücke

Das Jüdische Museum Berlin präsentiert in diesem besonderen Zusammenhang sein kostbares Sammlungsstück, den selten gezeigten, aus Fromet Mendelssohns seidenem Brautkleid gefertigten Toravorhang. Aus der Dauerausstellung des Museums ist das Brautbild Albertine Mendelssohn Bartholdys geb. Heine zu sehen, wie sie - zehn Jahre nach ihrer Konversion aus dem Judentum - madonnengleich unter einem gotischen Bogen steht, vor ihrer Trauungskirche St. Marien. Portraits aus Familienbesitz, die öffentlich noch nie dargeboten wurden, versammeln die älteste Darstellung Moses Mendelssohns, seine Skandaltochter Dorothea in ihrem Scheidungsjahr sowie deren ersten Ehemann Simon Veit und weitere gescheiterte oder glückliche Paare der zweiten, dritten Mendelssohn-Generation.

Das Brauttüchlein Fanny Hensels und die Eheringe von Cécile und von Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen »Hochzeitsmarsch« als Element des westlichen Exportartikels »Weiße Hochzeit« zur Popkultur gehört, illustrieren ebenso wie Polterabendgedichte, Tischordnungen, Hochzeitsgeschenke, Erinnerungsalben und Medaillons zur Goldenen Hochzeit die Inszenierung des allerschönsten Tages - und den Versuch, den zerbrechlichen Glücksmoment für immer festzuhalten.

Weiter Informationen unter www.250fm.de 

Auf einen Blick:

Wann:
23. Juni bis 22. August 2012

Wo:
Heilig-Geist-Kapelle
Spandauer Str. 1
10178 Berlin

Öffnungszeiten:
täglich 10:00-18:00 Uhr

Eintritt frei



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