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Fritz Ascher (1893–1970)

Fritz Ascher© Bianca Stock

Fritz Ascher war ein deutscher Expressionist, dessen Kunst von kühner Pinselführung und expressionistischer Farbwahl charakterisiert ist.

Fritz Aschers Talent zeigte sich früh. Er lernte bei Adolf Meier und Kurt Agthe, und 16-jährig studierte er bei Max Liebermann, der ihn mit einem „Künstlereinjährigen“ zur Akademie für Bildende Künste in Königsberg weiterempfahl. In Königsberg freundete er sich mit Franz Domscheit (Pranas Domšaitis) an, der seit 1907 dort studierte. Vermutlich mit diesem reiste er kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs nach Norwegen und traf Edvard Munch in Oslo.

Um 1913 war Ascher zurück in Berlin, wo er seine künstlerische Sprache fand, umgeben von Künstlern wie Ludwig Meidner, Jakob Steinhardt und Emil Nolde. Während eines längeren Bayern-Aufenthaltes traf er die Künstler des „Blauen Reiters“ und befreundete sich mit den Künstlern des satirischen Wochenmagazines Simplicissimus, dessen Herausgeber bis in die 20er-Jahre Ludwig Thoma war, dem dann Thomas Theodor Heine folgte. Mitarbeiter waren unter anderem Gustav Meyrink, Alfred Kubin, George Grosz und Käthe Kollwitz. Viele Arbeiten Aschers dieser Jahre sind wie die der ihn umgebenen Künstler und Schriftsteller von emphatisch-expressiver Religiosität. In dieser Atmosphäre erwachte auch sein Interesse an alten Sagenstoffen und Mythen. „Der Vereinsamte“ (um 1920) oder „Golem“ (1916, heute in der Sammlung des Jüdischen Museums Berlin) zeigen Aschers kraftvolle expressionistische Bildsprache und sein Interesse an der menschlichen Verfassung.

Mit der Machtübernahme Hitlers veränderte sich Aschers Leben dramatisch – bereits 1933 wurde er der NSDAP als politisch verdächtig gemeldet und erhielt als „entarteter Künstler“ Berufsverbot. Nach kurzer Gefangenschaft im KZ Sachsenhausen und im Polizeigefängnis Potsdam überlebte Ascher die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ab 1942 versteckt in der teils ausgebombten Villa Lassenstraße 28 in Berlin-Grunewald.

Als Künstler fand er nach 1945 seine ganz eigene Handschrift. Im Grunewald beobachtete er die Natur in wechselndem Licht, zu verschiedenen Tages-, und Jahreszeiten. Sonne und Licht dominieren die menschenleeren Bilder von Bäumen und Feldern, Sonnenauf- und -untergängen. Die atmosphärisch dichten Landschaften wie „Durchsonnter Wald“ und „Nachthimmel“ (beide um 1960) sind Seelenbilder, die Aschers komplexes Gefühlsleben reflektieren. Mit ihrer expressiven Farbwahl, kühnen Pinselführung und rücksichtslosen Oberflächenbearbeitung fand Ascher eine kraftvolle individuelle Stimme, die die Kunstlandschaft Nachkriegsdeutschlands bereichert. Fritz Ascher starb am 26. März 1970 in Berlin.

Eine Kurzfassung dieser Biografie ist Teil der Stadtmarkierungen

 

 

Literatur:

Dresslers Kunsthandbuch, Berlin 1930, Band 2, S.24.


Moritz van Dülmen/Wolf Kühnelt/Bjoern Weigel (Hg.), Zerstörte Vielfalt/Diversity Destroyed. Berlin 1933-1938-1945. Eine Stadt erinnert sich/A City Remembers, Berlin 2013, S. 262ff.


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Berlinbezug

  • Wohnung
    Lassenstraße 28
    14193 Berlin

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