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Geschichtliche Einordnung

Im Rahmen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kam es unter Kaiser Wilhelm II zum Aufbau der gesetzlichen Krankenversicherung (1883), der Unfallversicherung (1884) sowie einer Alters- und Invalidenversicherung (1889). Zuerst galten die neuen Sicherungssysteme für Industriearbeiter; erst ab 1913 wurden auch Angestellte einbezogen. Im Zuge dieser Entwicklung erbaute der Nordstern-Versicherungskonzern in den Jahren 1913 bis 1914 ein Verwaltungsgebäude in Berlin-Schöneberg: Das Nordsternhaus.

  • 04.12.1866

    Gründungsversammlung der Nordstern Lebensversicherung.

  • 01.04.1898

    Schöneberg erhält Stadtrechte.

  • 1898

    Rudolph Wilde wird Bürgermeister (1902 – 1910 Oberbürgermeister).

  • 01.04.1912

    Eintritt Schönebergs in den Zweckverband Groß-Berlin und Umbenennug in Berlin-Schöneberg.

  • 14.01.1913

    Antrag des Architekten und Regierungsbaumeister a. D. Paul Mebes an das Königliche 5. Polizeirevier Berlin-Schöneberg zur Genehmigung einer Ausschachtung der Baugrube für den Neubau eines Geschäftsgebäudes.

  • 25.04.1913

    Gebührenpflichtige Baugenehmigung durch den Königlichen Polizeipräsidenten zu Schöneberg-Wilmersdorf. Die Gebühr beträgt 120,10 Mark.

  • 31.07.1914

    Kaiser Wilhelm erklärt mit Verordnung vom 31.07.1914 gemäß Artikel 68 der Verfassung des Deutschen Reichs den Kriegszustand.
    Die allgemeine Mobilmachung tritt am 01.08.1914 um 6 Uhr nachmittags in Kraft.

In den Wirren des 1. und 2. Weltkrieges gingen viele Unterlagen über das Gebäude verloren, so dass hier eine nicht mehr zu schließende geschichtliche Lücke besteht.

  • 1914

    Eröffnung des Nordsternhauses.
    Der genaue Termin ist nicht bekannt.

    Es gilt die Bureau-Ordnung von 1901:

    „Die Arbeitszeit der Bureau-Beamten währt von 8:30 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags, doch haben sich dieselben so zeitig einzufinden, daß sie bei dem um 8:30 Uhr stattfindenden Glockenzeichen ihren Platz eingenommen haben und ihre Arbeiten beginnen.

    Die Bureaudiener und Laufburschen müssen bereits um 8 Uhr auf ihrem Platze sein. Ein Verlassen der Plätze vor dem um 4 Uhr den Bureauschluß verkündenden Glockenzeichen ist nicht gestattet. Auf Anweisung eines Mitgliedes der Direktion sind die Beamten verpflichtet, auch außerhalb der vorbezeichneten Zeit in den Bureaus oder zu Hause Arbeiten zu erledigen. Ob und inwieweit für solche Überstunden eine Entschädigung gezahlt wird, bleibt dem Ermessen der Direktion überlassen. Im Allgemeinen wird denjenigen Beamten, die 1.800 Mark Gehalt und darüber beziehen, 85 Pfennig, und den übrigen Beamten 60 Pfennig für eine Überstunde vergütet.

    Das Rauchen innerhalb des Geschäftshauses ist nicht gestattet, ebensowenig das Lesen von Zeitungen, Journalen etc. während der Geschäftsstunden. Eine einmalige Unterbrechung der Arbeitszeit auf 10 Minuten zum Zwecke der Einnahme des Frühstücks ist den Beamten, ohne daß sie den ihnen angewiesenen Platz zu verlassen haben, gestattet. Es dürfen jedoch keine starkriechenden Eßwaaren, wie Käse, Fisch- und Räucherwaaren etc. in die Bureaus gebracht werden. Das Mitbringen von Spirituosen jeglicher Art in die Geschäftsräume ist nicht gestattet, jedoch erfolgt die Ausgabe von Bier an die Bureau-Beamten durch eine von der Direktion zu bestimmende Persönlichkeit gegen Aushändigung von Marken, die an der Hauptkasse gegen Zahlung eines von der Direktion festgesetzten Preises erhältlich sind.

    In sämtlichen Bureaus sind die Fenster behufs Lüftung täglich mittags 12.00 Uhr auf die Dauer von 10 Minuten zu öffnen. Soweit dies mit der Arbeitstätigkeit vereinbar ist, ist diese Pause zur Einnahme des Frühstücks zu benutzen.”

  • 01.10.1920

    Der Zweckverband Zweckverband Groß-Berlin löst sich auf. Aufgrund des Gesetzes über die „Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz)“ geht Berlin-Schöneberg in Groß Berlin auf.

  • 1923

    Hugo Stinnes sen. übernimmt ein aus der Kapitalerhöhung stammendes Paket von nominell 22,5 Mio. Mark Verwertungsaktien und mietet Räume im Nordsternhaus an.

  • Mai 1931

    Die Nordsternversicherung gerät während der Deutschen Bankenkrise in Schieflage.

  • 1943

    Lebensversicherer dürfen nicht mehr werben. Die Zahl der Mitarbeiter schrumpft durch Einberufungen immer mehr. Der Papierverbrauch muss drastisch eingeschränkt werden. Zudem werden zahlreiche Schreib- und Rechenmaschinen beschlagnahmt. Schließlich sind Unterbrechungen durch Luftangriffe und Zerstörungen an der Tagesordnung.

  • 14.05.1945

    Die ersten Mitarbeiter, die sich vor dem Nordstern-Haus zum Dienst melden, finden Schutt und Trümmer vor. Noch im Februar war das Gebäude schwer beschädigt worden; im Mai brannte das halbe Haus aus. Immerhin gelten 30 % des Gebäudes als noch nutzbar, trotz zertrümmerter Scheiben, rissiger Decken und zugiger Korridore.

  • 1964

    Die Abgeordneten des im Rathaus Schöneberg angesiedelten Abgeordnetenhauses ziehen in das Nordsternhaus.

  • 15.06.1989

    Das Nordsternhaus wird eingetragenes Baudenkmal.

  • Juli 1984

    Salzburgs Bürgermeister enthüllt ein Mosaik des Wappens der Stadt Salzburg vor dem Eingang des Nordsternhauses.